Von Esperanza nach Marambio

Leider gibt es diesmal nicht so gute Nachrichten.
Ich werde es leider nicht mehr nach San Martin schaffen. Der
Helikopter der Timca ist zwar wieder repariert und einsatzbereit aber
die Prioritäten der einzelnen Stationen haben sich geändert. Dadurch,
dass Orcadas zu Beginn der Kampagne wegen der Eissituation nicht
angelaufen und beliefert werden konnte, gingen dort nun so langsam die
Lebensmittel aus. Daher wird nun zuerst Orcadas versorgt. San Martin,
welches am weitesten entfernt liegt, hat das dickste Reservepolster an
Treibstoff und Lebensmitteln und ist nun erst ganz am Schluss dran.
Geplant ist die Ankunft der Timca in San Martin momentan am 20. April.
Leider viel zu spät für mich, da ich ab Mitte April in Brasilien auf
einer Konferenz bin.

Damit die zu erledigen Aufgaben dennoch ausgeführt werden können, gibt
es natürlich auch einen Notfallplan. Ein Mitglied der
Überwinterer-Besatzung von San Martin, den ich auch vorher schon in
Buenos Aires kennengelernt habe, wird die Aufgaben übernehmen. Das
Material wird mit der Timca von Esperanza nach San Martin gebracht.

Also sollte es für mich nun nach 17 Tagen in Esperanza nach Marambio
zurückgehen. Dort warten zurzeit ca. 70 Leute, die alle wieder nach
Buenos Aires wollen. Gegen 14 Uhr landete die Twin-Otter auf dem
Gletscher. Das war jetzt wieder möglich, denn in den letzten Tagen hat
es ordentlich geschneit. In der Woche zuvor war die oberste Schicht
durch die viele Sonne angetaut und nachts und zum Teil auch tagsüber
wieder gefroren. Also bestand die „Landebahn“ nur aus Eis. Und das
kann auch die Twin-Otter scheinbar nicht. Ein bisschen Reibung
zwischen Kufen und Untergrund ist wohl erforderlich.

Der einzige Passagier neben 6 Leuten Crew war der Pastor, der
immernoch in Marambio wartete… Es gab also die gesagmten 17 Tage,
die ich in Marambio war, keinen Rückflug nach Rio Gallegos und dann
weiter nach Buenos Aires. Der Pastor hielt eine Oster-Messe im großen
Gemeinschaftsraum in Esperanza und danach sollte es sofort los gehen,
da das Wetter am Abend schlechter werden sollte. Nach einer wirklich
herzlichen Verabschiedung stieg ich zusammen mit der Crew und dem
Pastor in Schneekatze ein, die bei meine Ankunft kaputt ging. Jetzt
funktionierte sie einwandfrei, nur scheinbar waren wir überladen.
Ausgelegt ist sie für 8 Passagiere, wir waren nun aber 10 inkl. einer
Menge Gepäck. An der steilsten Stelle des Gletschers gab die
Schneekatze auf und 7 Leute mussten ca. 500 Meter laufen. Ich
durfte/sollte drinbleiben obwohl ich auch gerne gelaufen wäre.

Angekommen am Flugzeug wurden noch ein paar Bilder gemacht und dann
ging es schon los. Es ist wirklich erstaunlich bei welch geringer
Geschwindigkeit so ein kleines Flugzeug abheben kann… Anstatt direkt
Kurs auf Marambio zu nehmen, sollten noch ein paar Übungen
durchgeführt werden. Die Besatzung wechselt alle 3 bis 4 Monate und da
jetzt grade ein Wechsel vollzogen war, mussten einige Manöver geübt
werden. Leider. Es ging um das Abwerfen von Gütern aus dem Flugzeug
zur Notversorgung von Basen. Kurz nach dem Abheben wurde eine Luke im
hinteren Teil des Flugzeugs geöffnet und ein paar kleinere
Gegenstände, etwa so groß wie normale Dosen von Fertigerichten,
bereitgestellt. Der Pilot flog dann eine extrem enge Kurve. Genau das
war das Problem… Ich begann schnell zu merken, dass ich in den
nächsten Minuten einen kleinen Kampf gegen mich selber bzw gegen
meinen Kreislauf/Magen führen müsste…

Der Anflug geschieht extrem tief, die Sachen werden rausgeschmissen
und die Maschine zieht extrem steil hoch… Das erste Mal war das noch
total lustig. Danach wurde es anstrengend. Ich versuchte mich auf die
wirklich wunderschöne Landschaft zu konzentrieren… Nach 5 oder 6
Anflügen war die Übung beendet. Die Luke wurde geschlossen, die
Heizung angeschmissen und es ging weiter nach Petrell, einer kleinen
Basis, nicht weit von Esperanza entfernt. Dort wurde nur der Anflug
geübt, ohne, dass wirklich gelandet wurde. Dennoch machte es dem
Piloten wohl Spaß extrem enge Kurven extrem tief zu fliegen…

Aber alles ging gut, ich habe den Kampf gewonnen und wir sind sicher
in Marambio gelandet. Hier warte ich jetzt mindestens bis Mittwoch auf
einen Flug nach Rio Gallegos und dann weiter nach Buenos Aires.
Angeblich gebe es technische Probleme mit einer Herkules. Es müssen
immer zwei Maschinen bereit sein, damit im Notfall ein Ersatz bereit
steht. Unter der Hand wird aber gemunkelt, dass die
Crew/Mechaniker/Verantwortlichen keine Lust hätten, über Ostern zu
arbeiten…
Morgen geht es, soweit es das Wetter zulässt, zu dem GPS-Punkt hier in
Marambio. Den möchte ich mir eigentlich nur mal ansehen, den aktuellen
Zustand dokumentieren und Bilder machen. Der Punkt ist rund 2km von
der Basis entfernt und ein Kollege vom DNA hier wird mich auf dem Quad
hinfahren.
Ansonsten heißt es wieder warten, warten, warten!

Viele Grüße,
Lukas

P.S.: Falls irgendjemand jemals vorhaben sollte, mir einen Kunstflug
oder ähnliches schenken zu wollen: Nein Danke! 😉

2 Gedanken zu „Von Esperanza nach Marambio

  1. mein lieber grosser globetrotter, ruf noch mal an oder schreib hier, wo du nun bist und was du so machst. ich bin in gedanken so viel bei dir und claudia.
    hg auch von papa und oma
    kuss mama

  2. Hallo Lukas, hatten unser Osterfeuer auch bei anarktischen Wetter (Frost & Schnee) abgebrannt. Heute hier der 1. frostfreie Tag – der Frühling naht mit riesen Schritten. Wollten Claudia deine Lieblingswurst mitgeben, hatten aber Angst vor´m Zoll. Halt die Ohren steif, mit dem Förster hab ich auch schon gesprochen, freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen. Jens & Ines

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