Endlich in Esperanza

Nach rund einer Woche in Marambio bin ich nun endlich weitergekommen. Etwa 100 km nördlich von Marambio liegt die Basis Esperanza. Esperanza bedeutet Hoffnung und dies war das Motto von drei schwedischen Abenteurern, die 1903 an dieser Stelle mehrere Wochen ausharrten und dann von einem uruguayischem Schiff gerettet wurden. Die Hütte aus Steinen steht noch heute hier! Für mich hat sich die Hoffnung auf angenehmere Umstände nun auch erfüllt. In einer kleinen Twinotter-Maschine für 10 Passagiere ging es bei wunderschönem Wetter gestern los. In Marambio gibt es eine Schotterpiste, sodass die normalen Reifen benutzt werden können. In Esperanza gibt es jedoch keine Piste, sodass die Twinotter im Flug zwischen Rädern und Schnee-Kufen wechseln kann. Gleich nach dem Start flogen wir über die TIMCA, das Schiff, auf das ich demnächst mitfahren soll. Es wurde zurzeit grade in Marambio gelöscht und zum Teil auch wieder neu beladen. Nach rund 30 Minuten über das zum großen Teil mit Eisbergen bedeckte Meer kamen wir dann an. Die „Landebahn“ war durch 5 kleine Fähnchen markiert, die man nicht gesehen hätte, wenn man nicht wüsste, dass dort eine „Landebahn“ ist. Zweimal überflogen wir die Bahn, da zum einen ein Foto gemacht werden sollte und zum anderen passt einmal der Winkel nicht. Beim dritten mal setzten wir dann auf und kamen erstaunlich schnell zum Stehen.

Vom Gletscher zur Basis sollte es dann in so einer Schneekatze gehen. Leider war die jedoch kaputt und stand nun auf dem Gletscher rum. Eine Frau und ein Kind, die auch mit an Bord waren, durften auf einem Schneemobil mitfahren. Ich und ein Pastor wurden zu Fuß in die Basis geführt. Natürlich ohne Gepäck, das sollte später gebracht werden. Warum aber waren nun ein Pastor und ein Kind mit an Bord? Es gibt ein Programm des Argentinischen Militärs, genauer: des Heeres, mit dem 5 bis 6 Überwinterer der Basen ihre Familien mitbringen dürfen. Sie leben dann fast ein Jahr lang zusammen mit den Soldaten, die die Basen am Laufen halten, in der Antarktis. Damit die Kinder kein Schuljahr verlieren gibt es sogar in einigen Basen kleine Schulen. Die Angehörigen, die keine Soldaten sind, übernehmen dann Aufgaben wie Lehrer in der Schule, betreiben eine Radiostation oder helfen beim sozialen Programm der Basen. Der Pastor war mit, um eine Messe zu Beginn dieses Jahres zu halten.

Also liefen wir die rund 2 km runter vom Gletscher in die Basis. Es tat gut, sich mal wieder ausgiebig zu bewegen. Denn die Woche in Marambio war recht bewegungsarm für mich. Es gab ein großes Willkommens-Buffet, leider wieder ohne frisches Gemüse oder Obst. Das fehlt mir hier echt. Aber es ist ja auch unmöglich, frisches Gemüse so lange bereitzuhalten. Dafür wieder gewohnt gutes Fleisch und frisch gebackenes Brot. Anschließend gab es noch die Messe in einer kleinen Blech-Kapelle. Es passen nur 20 Leute rein. Auch wenn ich die katholische Messe nicht verstanden habe (was nicht nur am Spanischen lag), war es auf jeden Fall eine besondere Erfahrung. Meine erste katholische Messe in der Antarktis. Und vermutlich meine letzte. Wieder ein Punkt auf der Liste der Dinge, die man vor dem 50. Lebensjahr gemacht haben sollte, abgehakt.

Die Basis besteht aus mehreren kleinen Hütten, die ertaunlich gut ausgestattet sind. Es gibt zB Waschmaschinen, kleine Backöfen, Satelliten-TV,Wifi-Internet… Die Essensausgabe ist etwas anders geregelt. Das Essen holt man in der Zentralküche ab und ist dann in seiner Hütte. Normalerweise wohnen so 6 Leute in einer Hütte, ich habe jedoch nur zwei Mitbewohner. Der eine ist jedoch ein Coronel und der Chef aller antarktischen Basen des Heeres. Ich glaube, dass er und somit auch ich, die beste Hütte abgebkommen haben… Ich werde demnächst noch ein Bild mit dem Blick aus dem Fenster posten! Ich sehe das Meer auf dem einige Eisberge schwimmen und Pinguine laufen überall herum.

Arbeiten tue ich natürlich auch. Es gibt hier einen Messpunkt der GAP-Kampagne. Dort messe ich zurzeit mit GPS die genaue Position, was besonders genau geht, da eine andere Organisation nur wenige Meter weiter ebenfalls misst. Die Koordinatendifferenzen lassen sich wesentlich besser bestimmen, als absolute Koordinaten. Dafür lasse ich den Empfänger jetzt insgesamt 48 Stunden laufen und schaue alle paar Stunden nach, ob die Batterien noch genügend Strom liefern und die Aufzeichnung richtig funktioniert.

Morgen soll schon die TIMCA kommen. Sie ist aus Marambio ausgelaufen, obwohl die Entladung noch nicht abgeschlossen war. Denn der Wind treibt das Eis in die Bucht und wenn man noch länger warten würde, würde die TIMCA aus eigener Kraft nicht mehr aus der Bucht kommen können. Der Hubschrauber ist allerdings wiedermal defekt… Mal sehen, wie schnell sie ihn diesmal reparieren können. Ich weiß grade gar nicht, ob ich vom ersten Defekt schon berichtet habe… Auf jeden Fall gab es einen Motorschaden und die Reperatur dauerte fast zwei Tage…

Noch sind wir grob im Zeitplan, allerdings steht schon eine größere Verzögerung vor der Tür. Die Basis Orcadas, die eigentlich schon ganz am Anfang zur Versorgung angefahren werde sollte, ist komplett vom Eis eingeschlossen. Also fuhr die TIMCA erst nach Marambio in der Hoffnung, dass das Eis dann später eine Versorgung von Orcadas zulassen würde. Wenn das Eis jetzt durchfahrbarer wird, werden wir also erst nach Orcadas fahren und dann erst nach Carlini, wo es für mich wieder Arbeit gibt.

Es ist auf jeden Fall total schön hier und nicht zu vergleichen mit der ersten Station. Die Arbeit geht voran und ich freue mich schon auf die Zeit auf der TIMCA!

Viele Grüße,
Lukas

3 Gedanken zu „Endlich in Esperanza

  1. Hallo Lukas,
    Ich verfolge deine reise nun schon einige tage und finde es sehr interesant und toll was du da so erlebst und machst. Die bilder Sind auch sehr beeindruckend. Wir hatten ja auf unserer Alaska cruise auch eisberge gesehen, aber das muss ja viel mehr abenteuerlich und ueberwaeltigend sein. Die pinguine Sind ja such niedlich.
    Wir waren ja alle man auf Hawaii was auch traumhaft war und wir hatten viel spass und sagten oefter das wuerde den deutschlaendern auch gefallen.
    Ich wollte dich auch wissen lassen, das wir die ersten 2 wochen im august eine motorrad tour planen, so hoffe ich das es sich nicht mit eurer reise ueberschneidet.
    Langsam kehrt hier der fruehling ein, worauf wir uns freuen, denn wir hatten diesen
    Winter viel schnee.
    Ich freue mich auf deine weiteren berichte, das ist schon etwas besonderes was du da erlebst.
    Desto aelter ich werde, desto mehr bin ich von gottes schoepfung bewegt und dankbar das wir chances haben sie zu sehen, erleben und zu geniesen
    Bleib gesund und munter,
    Love anki und folker

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