Lina ist da!

Am 7.11.2013 wurde unsere Tochter Lina geboren. Sie ist gesund und munter und hat alle Tests erfolgreich bestanden, die mit so einem kleinen Wesen schon angestellt werden. Wir sind unglaublich glücklich und genießen jede Sekunde mit ihr – außer wenn es 4 Uhr in der Nacht ist und die Windel gewechselt werden muss… 😉

Wer bei der Windelwette mitgemacht hat, fragt sich nun sicherlich, ob er oder sie gewonnen hat. Zunächst ging es ja um das Geschlecht. Es gab 7 Stimmen für ein Mädchen und 21 für einen Jungen. Lina freut sich somit über 21 Windelpackungen zum Befüllen.

Lina wurde 5 Tage (+5) nach dem errechneten Termin geboren. Somit ergibt sich die folgende Rangliste:

Platz 1: Ines Gottschalk und Alexander Lindig (beide +4)
Platz 3: Henny Schack (+3)
Platz 4: Ralf Kröger (+2)
Platz 5: Viola Braun und Marius Döpke (beide +1)
Platz 7: Silvia Pinke (-2)

Die beiden Erstplatzierten bekommen natürlich einen schönen Preis. Wir wissen nicht so genau, wie schnell Lina wachsen wird und wie viele Windeln sie dabei verbraucht. Um nicht auf zu kleinen Windeln sitzen zu bleiben, dachten wir uns, die Wetteinsätze in Windeln der Größe 2 einlösen zu lassen.

Diese schickt uns bitte per Post oder bringt sie mit kurzer Voranmeldung persönlich vorbei. Lina wird sie dankend in Empfang nehmen 😉
Vielen lieben Dank für die Teilnahme!

Lina, Claudia und Lukas

P.S.: Demnächst gibt es hier auch ein paar Bilder!

Warten in Marambio

Hallo Ihr Lieben!

Noch immer bin ich in Marambio und warte auf den Rückflug nach
Argentinien. Es gibt eine Menge Gerüchte. Die einen sprechen für
morgen, die anderen für Samstag. Pessimisten unter den Wartenden
vermuten eher nächste Woche Mittwoch. Von daher gibt es also noch
nichts Neues und alles ist wie immer.

Dafür aber ein paar neue Aktivitäten, mit denen ich mir die Zeit
vertreiben kann. Neben dem Schreiben des offiziellen Berichts über die
Kampagne und ein bisschen Lesen und Emails schreiben für die „normale“
Arbeit in Hannover bin ich nun auch handwerklich ein wenig aktiv! Und
zwar im Team mit Marcos und Juan, zwei Mitarbeitern des DNA hier in
der Station sowie Roberto, einem italienischen Forscher, der ebenso
wie ich wieder nach Buenos Aires möchte. Marcos und Juan unterhalten
hier die ganze Ausrüstung des DNA und Roberto und ich helfen ein
bisschen dabei. So haben wir beispielsweise beim Bau eines großen
Regals in einem Depot geholfen oder bei der Reparatur eines defekten
Ski-Doos. Das Beste dadran ist, dass nicht alle Geräte oder Teile
immer im Depot sind und ich dann mit dem Quad zu einem anderen Gebäude
fahren darf um die fehlenden Sachen zu holen. Außerdem betätige ich
mich zurzeit auch künstlerisch. Denn das DNA braucht ein neues, buntes
Schild mit seinem Logo. Das soll dann an eines der Gebäude. Das Schild
ist etwa 2 mal 2 Meter groß und es dauert entsprechend, es zu bemalen.
Leider ist die Internetverbindung hier so lahm (wenn sie denn
überhauptmal geht), dass ich keine Bilder von dem „Kunstwerk“
hochladen kann…

Das wars jetzt erstmal von hier, vielleicht kommt dann der nächste
Eintrag schon wieder aus Argentinien!

Viele Grüße,
Lukas

Von Esperanza nach Marambio

Leider gibt es diesmal nicht so gute Nachrichten.
Ich werde es leider nicht mehr nach San Martin schaffen. Der
Helikopter der Timca ist zwar wieder repariert und einsatzbereit aber
die Prioritäten der einzelnen Stationen haben sich geändert. Dadurch,
dass Orcadas zu Beginn der Kampagne wegen der Eissituation nicht
angelaufen und beliefert werden konnte, gingen dort nun so langsam die
Lebensmittel aus. Daher wird nun zuerst Orcadas versorgt. San Martin,
welches am weitesten entfernt liegt, hat das dickste Reservepolster an
Treibstoff und Lebensmitteln und ist nun erst ganz am Schluss dran.
Geplant ist die Ankunft der Timca in San Martin momentan am 20. April.
Leider viel zu spät für mich, da ich ab Mitte April in Brasilien auf
einer Konferenz bin.

Damit die zu erledigen Aufgaben dennoch ausgeführt werden können, gibt
es natürlich auch einen Notfallplan. Ein Mitglied der
Überwinterer-Besatzung von San Martin, den ich auch vorher schon in
Buenos Aires kennengelernt habe, wird die Aufgaben übernehmen. Das
Material wird mit der Timca von Esperanza nach San Martin gebracht.

Also sollte es für mich nun nach 17 Tagen in Esperanza nach Marambio
zurückgehen. Dort warten zurzeit ca. 70 Leute, die alle wieder nach
Buenos Aires wollen. Gegen 14 Uhr landete die Twin-Otter auf dem
Gletscher. Das war jetzt wieder möglich, denn in den letzten Tagen hat
es ordentlich geschneit. In der Woche zuvor war die oberste Schicht
durch die viele Sonne angetaut und nachts und zum Teil auch tagsüber
wieder gefroren. Also bestand die „Landebahn“ nur aus Eis. Und das
kann auch die Twin-Otter scheinbar nicht. Ein bisschen Reibung
zwischen Kufen und Untergrund ist wohl erforderlich.

Der einzige Passagier neben 6 Leuten Crew war der Pastor, der
immernoch in Marambio wartete… Es gab also die gesagmten 17 Tage,
die ich in Marambio war, keinen Rückflug nach Rio Gallegos und dann
weiter nach Buenos Aires. Der Pastor hielt eine Oster-Messe im großen
Gemeinschaftsraum in Esperanza und danach sollte es sofort los gehen,
da das Wetter am Abend schlechter werden sollte. Nach einer wirklich
herzlichen Verabschiedung stieg ich zusammen mit der Crew und dem
Pastor in Schneekatze ein, die bei meine Ankunft kaputt ging. Jetzt
funktionierte sie einwandfrei, nur scheinbar waren wir überladen.
Ausgelegt ist sie für 8 Passagiere, wir waren nun aber 10 inkl. einer
Menge Gepäck. An der steilsten Stelle des Gletschers gab die
Schneekatze auf und 7 Leute mussten ca. 500 Meter laufen. Ich
durfte/sollte drinbleiben obwohl ich auch gerne gelaufen wäre.

Angekommen am Flugzeug wurden noch ein paar Bilder gemacht und dann
ging es schon los. Es ist wirklich erstaunlich bei welch geringer
Geschwindigkeit so ein kleines Flugzeug abheben kann… Anstatt direkt
Kurs auf Marambio zu nehmen, sollten noch ein paar Übungen
durchgeführt werden. Die Besatzung wechselt alle 3 bis 4 Monate und da
jetzt grade ein Wechsel vollzogen war, mussten einige Manöver geübt
werden. Leider. Es ging um das Abwerfen von Gütern aus dem Flugzeug
zur Notversorgung von Basen. Kurz nach dem Abheben wurde eine Luke im
hinteren Teil des Flugzeugs geöffnet und ein paar kleinere
Gegenstände, etwa so groß wie normale Dosen von Fertigerichten,
bereitgestellt. Der Pilot flog dann eine extrem enge Kurve. Genau das
war das Problem… Ich begann schnell zu merken, dass ich in den
nächsten Minuten einen kleinen Kampf gegen mich selber bzw gegen
meinen Kreislauf/Magen führen müsste…

Der Anflug geschieht extrem tief, die Sachen werden rausgeschmissen
und die Maschine zieht extrem steil hoch… Das erste Mal war das noch
total lustig. Danach wurde es anstrengend. Ich versuchte mich auf die
wirklich wunderschöne Landschaft zu konzentrieren… Nach 5 oder 6
Anflügen war die Übung beendet. Die Luke wurde geschlossen, die
Heizung angeschmissen und es ging weiter nach Petrell, einer kleinen
Basis, nicht weit von Esperanza entfernt. Dort wurde nur der Anflug
geübt, ohne, dass wirklich gelandet wurde. Dennoch machte es dem
Piloten wohl Spaß extrem enge Kurven extrem tief zu fliegen…

Aber alles ging gut, ich habe den Kampf gewonnen und wir sind sicher
in Marambio gelandet. Hier warte ich jetzt mindestens bis Mittwoch auf
einen Flug nach Rio Gallegos und dann weiter nach Buenos Aires.
Angeblich gebe es technische Probleme mit einer Herkules. Es müssen
immer zwei Maschinen bereit sein, damit im Notfall ein Ersatz bereit
steht. Unter der Hand wird aber gemunkelt, dass die
Crew/Mechaniker/Verantwortlichen keine Lust hätten, über Ostern zu
arbeiten…
Morgen geht es, soweit es das Wetter zulässt, zu dem GPS-Punkt hier in
Marambio. Den möchte ich mir eigentlich nur mal ansehen, den aktuellen
Zustand dokumentieren und Bilder machen. Der Punkt ist rund 2km von
der Basis entfernt und ein Kollege vom DNA hier wird mich auf dem Quad
hinfahren.
Ansonsten heißt es wieder warten, warten, warten!

Viele Grüße,
Lukas

P.S.: Falls irgendjemand jemals vorhaben sollte, mir einen Kunstflug
oder ähnliches schenken zu wollen: Nein Danke! 😉

Eine neue Begenung mit einem weiteren Antarktis-Bewohner

Esperanza ist Spanisch für „Hoffnung“. Daher habe ich auch noch Hoffnung, von hier weiterzukommen. Gestern war wunderschönes Wetter und die Hubschrauber waren für ca. 16 Uhr angekündigt. Doch daraus wurde leider nichts. Die genauen Gründe kenne ich nicht. Das herrliche Wetter nutzten nicht nur die Menschen zum Sonnenbaden sondern auch eine der hier lebenden Robben. Leider haben wir sie dabei versehentlich gestört… So nah das laute Grunzen oder „Warnen“ von ihr oder ihm zu hören war wirklich beeindruckend. Ich habe davon auch ein Video gemacht, das passt hier aber nicht über die Bandbreite und wird später nachgereicht. Ein paar Bilder aber wieder unten.

Eigentlich war dann für heute morgen die Ankunft der Helis angekündigt. Doch leider machte das Wetter da nicht mit. Jetzt grade wird es langsam aber ständig besser. Eventuell wird es dann am Nachmittag was.

Die Zeit vertreibe ich mir zurzeit mit der Auswertung der GPS-Messung hier in Esperanza sowie der Vorbereitung aller Arbeitsschritte für San Martin. Dort muss alles schnell und reibungslos klappen, da ich vermutlich nur einen statt zwei Tage Zeit haben werde.

Vielen Dank für die ganzen Grüße in den Kommentaren! Es freut mich sehr, dass euch meine Reise interessiert!

Viele Grüße und das nächste Mal vielleicht schon aus Marambio oder Rio Gallegos oder wieder Esperanza…

Arbeiten und Warten in Esperanza

Am Freitagmorgen klingelte der Wecker schon sehr früh. Ich musste die GPS-Messung überwachen und den Akku wechseln. Da sah ich in der Bucht vor der Base Esperanza die TIMCA liegen. Ich plante schon, wie ich alle Sachen zusammenpacken würde um dann zum Übersetzen auf die TIMCA bereit zu sein. Aber ich wusste auch, dass erst noch Fracht verladen werden müsste und daher ließ ich es erstmal ruhig angehen. Außerdem habe ich ja auch schon in den vergangenen drei Wochen viel dazugelernt, was das Zeitmanagement angeht.

Doch die TIMCA war keine drei Stunden da sondern fuhr direkt weiter zur Isla 25 de Mayo (King George Island). Denn der Helikopter der TIMCA ist unreperabel beschädigt. Er muss ausgetauscht werden und dafür wird erstmal ein neuer Motor benötigt. Ohne Motor kein Hubschrauber und damit auch kein Be- und Entladen. Also heißt es warten… Für mich gab und gibt es aber noch einen Plan B: Die Überwinterer-Mannschaft für San Martin fährt auf einem gecharterten Schiff am 25.3. von Ushuaia, also dem südlichen Ende Argentiniens auf dem südamerikanischem Kontinent, nach San Martin. Also muss ich bis nächste Woche Montag nach Ushuaia kommen. Die Route sieht so aus: Mit dem Heli oder der Twinotter von Esperanza wieder nach Marambio. Von dort weiter mit der Herkules nach Rio Gallegos und dann mit Bus oder Flugzeug nach Ushuaia. Das Schiff wird die Polar Pioneer sein und etwa 4 bis 5 Tage nach San Martin benötigen. Also werde ich gleich zweimal in der Antarktis ankommen…

Am Samstag dann hieß es morgens, das nachmittags der Flieger nach Marambio gehen sollte. Da ich aber die GPS-Messung noch laufen hatte, fragte ich, wie viel Zeit ich von der Bestätigung des Fluges bis zum tatsächlichen Aufbrechen auf den Gletscher hätte. Man sagte mir eine Stunde. Das hätte locker gereicht um alles abzubauen, zu dokumentieren und ordentlich einzupacken. Doch gegen 4 hieß es auf einmal, dass ich JETZT los müsse… Also habe ich alles im Rekord-Tempo abgebaut, sicher für den Transport aber unordentlich verpackt und war in rund 15 Minuten abfahrbereit. Dann war es wirklich wie in einer Sketch-Show: Ich war genau dann fertig, als ich übers Funkgerät hörte, dass sich die Sicht grade drastisch verschlechtere und ein Landen nicht sicher möglich ist. Daher bin ich nun immer noch in Esperanza. Die Messung konnte jedoch erfolgreich beendet werden.

Am Samstagabend gab es dann ein gemeinschaftliches Abendessen mit allen Bewohnern der Basis. Wie ich im letzten Eintrag ja schrieb, sind auch ein paar Familien da und so war es ein lautes und buntes Pizza-Essen und eine sehr angenehme Abwechslung. Heute kam ein holländischer Dreimaster mit einigen Touristen vorbei. Die Umgebung ist wirklich spektakulär, ich habe schon zwei längere Touren rund um die Basis unternommen. Ein paar Eindrücke sind unten zu sehen.

Nun warte ich also auf besseres Wetter und hoffe, rechtzeitig bis Montagmittag in Ushuaia zu sein…

Endlich in Esperanza

Nach rund einer Woche in Marambio bin ich nun endlich weitergekommen. Etwa 100 km nördlich von Marambio liegt die Basis Esperanza. Esperanza bedeutet Hoffnung und dies war das Motto von drei schwedischen Abenteurern, die 1903 an dieser Stelle mehrere Wochen ausharrten und dann von einem uruguayischem Schiff gerettet wurden. Die Hütte aus Steinen steht noch heute hier! Für mich hat sich die Hoffnung auf angenehmere Umstände nun auch erfüllt. In einer kleinen Twinotter-Maschine für 10 Passagiere ging es bei wunderschönem Wetter gestern los. In Marambio gibt es eine Schotterpiste, sodass die normalen Reifen benutzt werden können. In Esperanza gibt es jedoch keine Piste, sodass die Twinotter im Flug zwischen Rädern und Schnee-Kufen wechseln kann. Gleich nach dem Start flogen wir über die TIMCA, das Schiff, auf das ich demnächst mitfahren soll. Es wurde zurzeit grade in Marambio gelöscht und zum Teil auch wieder neu beladen. Nach rund 30 Minuten über das zum großen Teil mit Eisbergen bedeckte Meer kamen wir dann an. Die „Landebahn“ war durch 5 kleine Fähnchen markiert, die man nicht gesehen hätte, wenn man nicht wüsste, dass dort eine „Landebahn“ ist. Zweimal überflogen wir die Bahn, da zum einen ein Foto gemacht werden sollte und zum anderen passt einmal der Winkel nicht. Beim dritten mal setzten wir dann auf und kamen erstaunlich schnell zum Stehen.

Vom Gletscher zur Basis sollte es dann in so einer Schneekatze gehen. Leider war die jedoch kaputt und stand nun auf dem Gletscher rum. Eine Frau und ein Kind, die auch mit an Bord waren, durften auf einem Schneemobil mitfahren. Ich und ein Pastor wurden zu Fuß in die Basis geführt. Natürlich ohne Gepäck, das sollte später gebracht werden. Warum aber waren nun ein Pastor und ein Kind mit an Bord? Es gibt ein Programm des Argentinischen Militärs, genauer: des Heeres, mit dem 5 bis 6 Überwinterer der Basen ihre Familien mitbringen dürfen. Sie leben dann fast ein Jahr lang zusammen mit den Soldaten, die die Basen am Laufen halten, in der Antarktis. Damit die Kinder kein Schuljahr verlieren gibt es sogar in einigen Basen kleine Schulen. Die Angehörigen, die keine Soldaten sind, übernehmen dann Aufgaben wie Lehrer in der Schule, betreiben eine Radiostation oder helfen beim sozialen Programm der Basen. Der Pastor war mit, um eine Messe zu Beginn dieses Jahres zu halten.

Also liefen wir die rund 2 km runter vom Gletscher in die Basis. Es tat gut, sich mal wieder ausgiebig zu bewegen. Denn die Woche in Marambio war recht bewegungsarm für mich. Es gab ein großes Willkommens-Buffet, leider wieder ohne frisches Gemüse oder Obst. Das fehlt mir hier echt. Aber es ist ja auch unmöglich, frisches Gemüse so lange bereitzuhalten. Dafür wieder gewohnt gutes Fleisch und frisch gebackenes Brot. Anschließend gab es noch die Messe in einer kleinen Blech-Kapelle. Es passen nur 20 Leute rein. Auch wenn ich die katholische Messe nicht verstanden habe (was nicht nur am Spanischen lag), war es auf jeden Fall eine besondere Erfahrung. Meine erste katholische Messe in der Antarktis. Und vermutlich meine letzte. Wieder ein Punkt auf der Liste der Dinge, die man vor dem 50. Lebensjahr gemacht haben sollte, abgehakt.

Die Basis besteht aus mehreren kleinen Hütten, die ertaunlich gut ausgestattet sind. Es gibt zB Waschmaschinen, kleine Backöfen, Satelliten-TV,Wifi-Internet… Die Essensausgabe ist etwas anders geregelt. Das Essen holt man in der Zentralküche ab und ist dann in seiner Hütte. Normalerweise wohnen so 6 Leute in einer Hütte, ich habe jedoch nur zwei Mitbewohner. Der eine ist jedoch ein Coronel und der Chef aller antarktischen Basen des Heeres. Ich glaube, dass er und somit auch ich, die beste Hütte abgebkommen haben… Ich werde demnächst noch ein Bild mit dem Blick aus dem Fenster posten! Ich sehe das Meer auf dem einige Eisberge schwimmen und Pinguine laufen überall herum.

Arbeiten tue ich natürlich auch. Es gibt hier einen Messpunkt der GAP-Kampagne. Dort messe ich zurzeit mit GPS die genaue Position, was besonders genau geht, da eine andere Organisation nur wenige Meter weiter ebenfalls misst. Die Koordinatendifferenzen lassen sich wesentlich besser bestimmen, als absolute Koordinaten. Dafür lasse ich den Empfänger jetzt insgesamt 48 Stunden laufen und schaue alle paar Stunden nach, ob die Batterien noch genügend Strom liefern und die Aufzeichnung richtig funktioniert.

Morgen soll schon die TIMCA kommen. Sie ist aus Marambio ausgelaufen, obwohl die Entladung noch nicht abgeschlossen war. Denn der Wind treibt das Eis in die Bucht und wenn man noch länger warten würde, würde die TIMCA aus eigener Kraft nicht mehr aus der Bucht kommen können. Der Hubschrauber ist allerdings wiedermal defekt… Mal sehen, wie schnell sie ihn diesmal reparieren können. Ich weiß grade gar nicht, ob ich vom ersten Defekt schon berichtet habe… Auf jeden Fall gab es einen Motorschaden und die Reperatur dauerte fast zwei Tage…

Noch sind wir grob im Zeitplan, allerdings steht schon eine größere Verzögerung vor der Tür. Die Basis Orcadas, die eigentlich schon ganz am Anfang zur Versorgung angefahren werde sollte, ist komplett vom Eis eingeschlossen. Also fuhr die TIMCA erst nach Marambio in der Hoffnung, dass das Eis dann später eine Versorgung von Orcadas zulassen würde. Wenn das Eis jetzt durchfahrbarer wird, werden wir also erst nach Orcadas fahren und dann erst nach Carlini, wo es für mich wieder Arbeit gibt.

Es ist auf jeden Fall total schön hier und nicht zu vergleichen mit der ersten Station. Die Arbeit geht voran und ich freue mich schon auf die Zeit auf der TIMCA!

Viele Grüße,
Lukas

Immernoch in Marambio

Hallo ihr Lieben!

Fast eine ganze Woche war das Wetter zu schlecht, um mit dem
Helikopter oder auch dem Flugzeug zu fliegen. Das größte Problem war
der Nebel, der meistens schon morgens vorhanden war, dann über den Tag
zunahm und zum Abend hin mehr wurde. So ging das mehrere Tage lang.
Gestern dann wussten wir, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit heute
bessere Bedingungen herrschen würden. Daher gab es gestern schon eine
Schulung für den Umgang mit startenden und landenden Helikoptern. Man
darf sich zB nur von bestimmten Positionen aus dem Hubschrauber
nähern, niemals ohne ein Mitglied der Crew ein- oder aussteigen, sich
beim Nähern und Entfernen ducken usw. Heute Morgen konnte man endlich
mal wieder weit aus den Fenstern gucken und man merkte schon, dass es
noch weiter aufklaren würde. Es sah also sehr sehr gut aus für eine
neue Etappe!

Nun wurde alles in Bewegung gesetzt. Ich packte meine Sachen mal
wieder zusammen und war pünktlich an dem Ort, wo sich all die treffen
sollten, die nach Esperanza fliegen wollten. Doch dann kam die
Meldung, dass ich auch direkt nach Carlini gelangen könnte. (Carlini
ist die erste Station, wo ich was im Rahmen der geplanten Kampagne zu
tun habe). Es sollte noch heute Nachmittag eine Herkules von Rio
Gallegos kommen, die dann weiter nach Frei, einer chilenischen Basis,
fliegt. Von dort wäre es dann mit einem kleinen Boot die letzten 30km
über eine Bucht nach Carlini gegangen (Isla 25 de Mayo oder
King-George-Island). In Esperanza hatte ich sowieso nichts zu tun und
es erschien mir weitaus sinnvoller, schon in Carlini zu sein um dort
in Ruhe einen Teil der Arbeiten durchzuführen. Eine Aufgabe ist
beispielsweise das Einmessen eines Höhenpunktes per GPS. Dabei gilt
grob gesagt: „Je länger, desto besser.“ Und bis die TIMCA dann in
Carlini wäre, hätte ich mehrere Tage Zeit dafür gehabt. Anderenfalls
hätte ich nur wenige Stunden während des Be- und Entladens gehabt.
(Ich schreibe bewusst im Konjunktiv, da ich mir angewöhnt habe, auch
im Konjunktiv zu denken…)

Also verabschiedete ich mich von den Kollegen, die nach Esperanza
flogen und hatte nun noch den Nachmittag frei. Gegen 15h sollte es
losgehen nach Frei. Ich wartete mal wieder, machte draußen ausgiebig
Fotos, denn das Wetter war ja wirklich wunderschön. Dann wurde es mir
aber zu kalt und ich setzte mich in einen Aufenthaltsraum. Dort kam
dann der Koordinator rein um in Ruhe zu telefonieren… Ich verstand
nicht alles, aber auf jeden Fall war eine Nachricht, dass die Herkules
heute nicht nach Marambio fliegen würde… Also wiedermal eine
Planänderung. Nun sollte es in einer kleinen Twinotter-Maschine nach
Frei gehen. Die war aber für heute schon verplant. „Nun also wohl
morgen“, hieß es dann.

Jetzt sitze ich hier grade in der Bibliothek und höre draußen auf dem
Flur, wie der Koordinator mit einem der Piloten über den morgigen Tag
redet. Und siehe da, es wird wieder etwas geändert. Jetzt vll doch mit
dem Helikopter… Letztendlich ist es mir ja auch total egal..
Hauptsache, ich komme mal weiter und kann endlich etwas vernünftiges
arbeiten…

Der Helikopter der TIMCA wiederum hat leider technische Probleme und
vll wird sich dadurch noch etwas verzögern… Noch bin ich auf jeden
Fall im Zeitplan!

Ich lerne auf jeden Fall, dass es auch eine andere Art der
Organisation gibt. Es muss nicht immer nur den einen Plan, der dann
durchgezogen wird, geben. Es funktioniert scheinbar auch anders! Das
ist eben die Antarktis und der Mensch hier ist noch wirklich abhängig
von der Natur.

Ganz liebe Grüße an alle!
Lukas

Von Rio Gallegos in die Antarktis

Hallo!
Es ist geschafft, ich bin nun tatsächlich in der Antarktis! Bisher
kann ich berichten: Es gibt doch keine Eisbären, dafür viele Eisberge
und viel Kälte. Doch ersteinmal noch zurück nach Rio Gallegos, von wo
aus meine Reise startete.
Die Nacht war mäßig erholsam. Ich schlief in einem Zimmer mit drei
sehr netten Mechanikern der Luftwaffe. Wir erzählten ein bisschen, was
wir so jeweils bei der Arbeit tun und ich merkte schnell, dass ich es
auch noch länger in der Unterkunft mit ihnen ausgehalten hätte.
Allerdings nicht mit der Raumtemperatur, die dort herrschte. Eine
Gasheizung erhitzte das kleine Zimmer auf bestimmt 25 Grad, gefühlt
waren es locker 30. Auch ein kurzes Lüften änderte mittelfristig
nichts an der Wärme. Also schlief ich so gut wie ohne Decke die noch
zu Verfügung stehenden 6 Stunden.
Um 7 Uhr morgens war das Treffen mit gepackten Sachen geplant. Vorher
wollte ich mich aber noch am wahnsinnigen Frühstücksbuffet laben. Es
bestand aus Kaffee mit Weißbrot und Dulce de Leche. Genau wie die
Spanier, essen die meisten Argentinier morgens fast nichts. Ich hatte
aber noch eine Orange und zwei geschmierte Brötchen aus dem Hotel in
Buenos Aires im Handgepäck.
Auf dem Rollfeld wartete schon die bekannte Herkules. Das Gepäck wurde
verladen und ich ging auch rein. Glücklicherweise hatte ich diesesmal
Ohrstöpsel dabei, die das extrem laute Dröhnen erfolgreich dämpften.
Diesmal hatte ich auch einen anderen „Sitznachbarn“: Einen Bulldozer
von Caterpillar. Das war wirklich etwas eigenartig… Man sitzt direkt
vor einem mehrere Tonnen wiegenden Ungetüm und hofft, dass die Ketten,
mit denen es fixiert war, bei Start und Landung halten…
Der Flug dauerte etwa 3,5 Stunden und schon nach etwa 2 konnte man die
ersten, vereinzelten Eisberge sehen. Die Dichte nahm kontinuierlich zu
und auf einmal tauchte dann die erste Küstenlinie auf. Es war wirklich
unbeschreiblich schön. Als dann die ersten Gletscher ins Blickfeld
kamen bekam ich echt einen große Klos in den Hals. Unbeschreiblich
schön und ich hab sowas noch nie gesehen.
Die Landung auf der Schotterpiste von der Basis Marambio war zwar
etwas holpriger als auf Asphalt, aber dafür ist die Herkules ja
ausgelegt. Nach der Ankunft ging es dann sehr entspannt zu. Schnell
wurde klar, dass es heute nicht weitergehen würde wegen des Nebels.
Die Basis Marambio liegt auf einem Plateu etwa 70 Meter über dem Meer.
Und zwischen der TIMCA und Marambio hatte sich eine dichte Nebeldecke
gelegt. Da kann kein Helikopter fliegen.
Nun bin ich in einem Raum mit 12 Betten untergebracht und hoffe
darauf, dass es morgen weitergeht. Das hängt im Wesentlichen vom
Wetter ab… Es gibt hier Gerüchte, dass die TIMCA erst in 5 Tagen
hier losfährt. Es ist auch noch nicht ganz klar, welche Basis dann als
nächstes angelaufen wird. Das hängt wiederum vom Eis ab. Da man es
selber sowieso nicht ändern kann, heißt es nun, einfach abzuwarten und
jederzeit bereit zu sein um innerhalb von wenigen Minuten
aufzubrechen.
Mal sehen von wo ich mich das nächste mal melde!
Viele Grüße,
Lukas

Von Buenos Aires nach Rio Gallegos

Die Organisation der Argentinier ist etwas anders und unverbindlicher zu vestehen, als ich es aus Deutschland bisher gewohnt war. Es ist zwar unverbindlicher und man kann sich auf Zusagen nicht immer verlassen, aber daran muss man sich eben gewöhnen. Der neuste, bewusst pessimistisch ausgegebene Zeitplan sah vor, dass ich erst am 11. März von Buenos Aires weiterfliegen würde. Um aber Hotelkosten zu sparen, gab es auch die Möglichkeit, mich kostenlos in Unterkünfte der argentinischen Luftwaffe unterzubringen. Um mir, bzw dem AWI, bzw. dem Steuerzahler, also euch und schon wieder mir, Geld zu sparen, nahm ich die Gelegenheit wahr und flog heute morgen mit einer Herkules C-130 von Buenos Aires nach Rio Gallegos. Der Flug war mit Abstand der lauteste, den ich je erlebt habe. Zivile Passagiermaschinen sind scheinbar besonders schallisoliert. Zum Glück hatte ich Kopfhörer (so kleine zum direkt in die Ohren stecken) dabei. Die dämpften zumindest einige hohe Frequenzen und der Lärm wurde erträglich. Zusammen mit mir waren noch drei andere Mitarbeiter vom IAA (Instituto Antartico Argentino) bzw vom DNA (Direccion Nacional  Antartica) mit an Bord. Während das IAA eher für die wissenschaftlichen Aufgaben zuständig ist, kümmert sich das DNA um die Koordinierung der Unterhaltung der Stationen zusammen mit dem Militär. Außerdem noch etwa 15 andere Personen, zum Teil in Uniform, zum Teil zivil und auch ein etwa 6 jähriges Mädchen mit Eltern. Der Flug dauerte ziemlich genau 4,5 Stunden und ich wusste zu Glück vorher, dass es keine Toilette an Bord gibt. 

In Rio Gallegos gelandet wurde mit dem Ausladen der Fracht begonnen. Eigentlich solle die Maschine direkt weiterfliegen nach Marambio. Das ist die für die Luftwaffe wichtigste Station in der Antarktis und dient als „südliches Drehkreuz“. Dort ist jetzt angeblich auch schon die TIMCA, das Schiff, auf das ich soll. Eigentlich erst am 11. März oder so, aber jetzt auf einmal sollte ich heute schon mitfliegen. Wegen der Verschiebung geht es nun aber (eventuell) morgen früh los. Den Abend habe ich mit Carlo, einem Mitarbeiter des DNA in Rio Gallegos verbracht. Es gab einen Kleinbus der Luftwaffe, der 10 Leute aus den Unterkünften hier auf dem Flughafen in die Stadt gebracht hat. Es wurde ein Aufenthalt von genau einer Stunde abgemacht. Carlo und ich waren pünktlich und mussten noch auf den Bus warten – dachten wir. Denn der war scheinbar schon vorher gefahren. Das merkten wir dann auch an der Abwesenheit der anderen 8 Fahrtgäste…

Wir nahmen die Chance wahr und gingen in ein nahgelegenes Restaurant. Dort gab es für 110 Pesos ein all-you-can-eat-Buffet. Und dort aß ich mein bisher bestes Rindsteak meines Lebens. Frisch vom Grill und richtig perfekt zubereitet! Mit vollen Bäuchen haben wir dann das nächste Taxi genommen und nun bin ich wieder in den „Gamelas“, wie die Unterkunft hier heißt. Es ist im Wesentlichen eine militärische Jugendherberge. Zimmer mit 3 bis 8 Betten, ein militärisches Sauberkeits- und Ordnungsgebot welchess regelmäßig mit der argentnischen Lebensweise interferriert und wirklich sehr sehr nette Leute.

Nun muss ich noch meine Sachen für morgen passen. Es kann sein, dass man in Marambio gerne mal ein paar Stunden warten muss und es sind -5 Grad angesagt, die sich aber auch gerne kälter anfühlen, wie mir gesagt wurde.

Spannend finde ich, wie nah ich schon an der Antarktis dran bin. Der Flug mit der relativ langsamen Herkules morgen wird nur 3 Stunden dauern und schon ist man auf der antarktischen Halbinsel…

Ich weiß nicht, wie gut und ob ich überhaupt Internet auf der TIMCA haben werde. Ich werde dann wieder berichten und auch noch einen Bericht aus der Zeit in Buenos Aires nachreichen.

Viele Grüße,

Lukas

Hier ein paar Bilder:
http://schack24.de/?attachment_id=39